erst auf dem flug fiel mir auf, dass es meine erste rückkehr nach der freilassung aller geiseln ist. niemand beim anflug wünscht mehr, dass sie bald zu hause sein mögen, keine bilder mehr an den automaten zur einreise, keine installation aus den ketten mehr, keine plakate auf dem weg zur passkontrolle. eine seltsame leere und eine noch seltsamere leichtigkeit, kurz jedenfalls. die einreise wird mir schwer gemacht und die worte der frau in der box klingen immer noch nach. der flughafen hat eine merkwürdige verlassenheit. immer noch oder vielleicht auch schon wieder. wir sind nur sechs menschen, die an der nicht-israelis passkontrolle warten. alles ist (wieder) anderes und einiges gleich. eine rückkehr in gewohntes ist es nur bedingt. bis ich in der wohnung angekommen bin, werde ich drei szenen erlebt haben, in denen menschen sich wegen kleinigkeiten anschreien. ich brauche länger als sonst, anzukommen. weiter gestiegene preise und der für mich nachteilige wechselkurs machen das alles zu einem finanziellen einschnitt, so groß, dass der gedanke aufkommt, dass ich vielleicht im oktober nicht hier sein kann. ich lese vom problem neuer jugendgangs im süden der stadt und bin nicht sicher, ob das etwas ist, das mir jetzt sorgen machen soll. später werden mich noch zwei leute darauf ansprechen. als ich heute mit dem bus durch die stadt in ihren norden fahre, bemerke ich und bin erleichtert, dass ich keine zerstörungen sehe. mir fehlt noch die kraft dafür und ich beschließe, es gezielt und bewusst zu machen, um dem schreck eines zufalls zu entgehen. an vielen gebäuden hängen riesige plakate. werbung für filme oder für quatsch. sie bespielen den raum der zeichen, der bis vor fünf monaten noch den geiseln und der forderung nach ihrer rückkehr gehörte. banalitäten haben die leerstellen neu bespielt. am dach der philharmonie ist das ‚bring them home’ abgebaut. natürlich. ich hole jetzt etwas nach, das mir im januar in deutschland fehlte. die verzögerung braucht zeit, mich zu erinnern, damit ich alles einsammele. es gab so viel selbstverständliches, dass mich einige abwesenheiten überraschend treffen.
bei oren treffe ich itay. ich habe ihn so lange nicht gesehen, dass ich ihn kurz nicht erkenne. und dann für den rest des abends wieder weiß, warum ich ihn so mochte. das erste worüber wir sprechen, ist der 7. oktober und er ist auch die markierung, an der wir abschätzen, wie lange wir uns nicht gesehen haben. ich habe 21 menschen geschrieben, dass ich da bin und mein leben beginnt sich zu ordnen. schnell geht das jetzt. dass ich mir früher immer erst eine woche nur für mich gegönnt habe, ist auch nur noch anekdote. auf dem flughafen in berlin anne rabes ‘die möglichkeit von glück‘ gekauft und wie es ist bei dingen, die einen überraschend treffen und verbinden, entsteht ein strudel von emotionen und der verdacht von wiedererkennung. sprache, herkunft, die innewohnende angst, das nicht zurück können. davor rachel goldberg-polin. und jetzt wissen, wie man über trauer schreiben kann. der trick, woanders hinzufahren, um selbst mit dem schreiben zu beginnen, funktioniert.