20260524, abends

ich beneide menschen, denen etwas von außen passiert, was sie dann zu einer entscheidung bringt. das szenario I in meinem fall: mal für zehn tage nach israel gekommen zu sein, jemanden kennengelernt und sich verliebt zu haben und dann eben hier herziehen, drei kinder bekommen und vielleicht noch konvertieren. szenario II: jemanden treffen, der meine arbeit gut findet und mich auch ein bisschen und dann sagt: hier, komm zu uns an die uni und forsche. also so begegnungen haben, die das eigene handeln beeinflussen und die umsetzung erleichtern, weil jemand dabei ist, der:die einen begleitet und unterstützt und auch noch für die zweifel und unsicherheiten da ist. alles bei mir ist so schwer erarbeitet. so sehr nur davon abhängig, dass ich es hinbekomme, dass ich es überlege, dass ich es entscheide und dass ich auch noch weiß, wie ich es möglich machen soll. dass beneide ich vor allem mal wieder, weil in meinem kopf seit dezember die vorstellung, hier zu sein wieder deutlich naheliegender ist. aber wenn ich darüber reden würde wollen, würde das schon bedeuten, dass ich wüsste wie und einen plan habe, bereit bin, etwas dafür zu tun oder doch wenigstens irgendwas genaues sagen kann. und vor allem die bereitschaft habe, die untauglichen ratschläge von menschen zu hören, die weder etwas konkretes wissen noch tatsächlich helfen können.

ja, ich denke viel darüber nach, ob ich, dass ich einsam bin.

jemand erzählt mir, dass sie einen job nicht annehmen kann, weil sie einfach nicht mehr in der lage wäre, israelischen studierenden zu sagen, dass ein studium in europa und/oder deutschland eine hervorragende idee ist. die kellnerin in einem cafe will nicht aufhören mit mir zu sprechen, weil sie es so schön findet, dass ich gekommen bin. ich treffe eine freundin und erschrecke, weil ihr gesicht plötzlich voller sichtbarer falten ist. ich treffe eine andere freundin und habe keine energie für ihre hoffnungslosigkeit und eine damit einhergehende aggressivität. ich verabschiede mich von ha. mit dem gedanken, dass ich sie vielleicht nie wiedersehe. sie ist so dünn geworden, so zerbrechlich, dass ich sie nur zaghaft umarme, was den gedanken noch schlimmer macht. es ist shavuot und ich bin fünfmal zum essen eingeladen. es gibt irritierend oft tzaziki und enttäuschend selten käsekuchen. ich verbringe einen abend mit einer größeren gruppe (von paaren) und schaffe es, mich tatsächlich als teil zu sehen. ich bin endlich zum meer gegangen. am strand gab es mindestens drei parties und ich habe mich kurz in dem tlv gefühlt, das andere immer sehen. ich kann nicht so richtig unterscheiden, was tatsächlich ist und was nur so aussieht. wenn ich mit jemandem im cafe sitzte reden wir immer darüber, wie es sein kann, dass menschen einfach so im cafe sitzen und es geniessen und brauchen ein bisschen für den satz: wir ja auch und uns sieht man es auch nicht an. funktiuoniert bisher in allen begegnungen. ich schlafe einfach nicht ein. ich bin wieder nachlässiger mit dem vorbereitet-sein. ich weiß nicht, ob ich den nachrichten trauen soll und wenn ja, welchen. jemand schrieb heute bei bluesky, dass sie auf den angriff warten und den shelter offen halten. ich denke: hm? und merke, dass das warten einfach nur die hintergrundfolie ist und ich morgens zum beispiel gedacht habe: was ist, wenn ich jetzt dusche, und der alarm beginnt. ich habe heute einen tag allein und nicht sprechen gebraucht und ein schlechtes gewissen deshalb. ich werde die letzten zwei wochen in der nähe des rabin platzes wohnen und muss es mir ein bisschen schönreden.

jemand soll kommen und mich fragen, wie es mir geht und die zeit haben, mir zuzuhören.