20260606, nachts, während ich den ersten the cure auftritt für dieses jahr im internet ansehe

vor 2 wochen oder so habe ich a. gesehen. ich wusste natürlich immer das es passiert wird und es hat am ende länger gedauert als ich dachte und ich denke, für ihn war der moment sicher krasser als für mich. weil er ja vermutlich nicht dachte, dass es irgendwann mal passiert. und es war alles und dabei magisch und enttäuschend und jetzt ist alles irgendwie anders und bedeutet nichts und trotzdem alles. leider. das merkwürdige ist vor allem, wie es anfing. d. und ich stehen auf der straße nach einem konzert und ich konnte ihn spüren bevor ich ihn gesehen habe und er starrt rüber und immer weiter und dann steht er auf und geht und dann ist da leere. es tut nicht weh und ich macht keine tränen oder schlaflosigkeit. aber es hüllt mich ein und mein körper ist ein bisschen stumpf seit dem. ein paar tage später lese ich bei fb in seinem post, bei dem es um theater geht, dass sich menschen nicht mehr verlieben weil sie angst vor verletzungen haben. und ich denke, das hat es uns wirklich beigebracht.

die tage vergehen langsam und sie vergehen schnell. übermorgen muss ich umziehen und damit beginnen die letzten zwei wochen. ich merke, wie sich die angst vor dem wieder wegsein in meinem körper eingenistet hat und ich merke auch, wie ich den alltag mag und wie ich darüber vergesse, durch die stadt zu streifen und wie viel ich nicht gesehen haben werde.

ich bin vorsichtig mit jeder und jedem, mit denen ich spreche. ed. spricht darüber, wie sie verdrängt, dass ihre enkel im norden sind. die anspannung ist weniger geworden. ich achte abends nicht mehr darauf, dass dinge bereitliegen. aber das licht in der küche ist immer noch an. ich schlafe wieder eher und leichter ein und dann tief und fest und oft zu lang. ich esse zu wenig und improvisiere dabei oft, weil alles so teuer ist, dass ich ein bisschen angst habe, geld auszugeben. und ein bisschen fehlt mir die stimmung, allein essen zu gehen. café shapira ist geschlossen und es entsteht irgendwie eine komische leere und auch das gefühl, dass shapira plötzlich abgeschnitten ist, weil für alles, was ich mag und will, muss ich nun irgendwohin. ich versuche andere orte zu finden, aber nichts klickt. nichts lässt das gefühl aufkommen, als ersatz taugen zu können. dabei fällt mir irgendwann auf, dass zwar sehr viele neue coffeeshops entstehen, alle schön und so aber das keiner von ihnen besonders ist. um ein israelisches frühstück und ein gefühl von rückkehr ins vertraute zu bekommen fahre ich ins bucke. leere wird ein wiederkehrendes thema. nicht nur weil es alles leerer ist, sondern weil es auch andere effekte gibt. ich sehe phantastische ausstellungen. aber ist alles israelische kunst. wir sprechen in deutschland viel über boycotte und hier sehe ich plötzlich, was es wirklich bedeutet. wie leer die museen sind und wie zurückgeworfen wir plötzlich werden, auf das was wir vor uns sehen. was wir hier haben. und der 7. oktober ist überall ein thema. manchmal, weil die entstehung einer ausstellung über ihn in ein davor und ein danach datiert wird, manchmal weil arbeiten gezeigt werden, die sich unmittelbar auf ihn beziehen. die abbildung von schmerz und verlust sind weitgehend aus dem städtischen raum verschwunden. manchmal finde ich noch eine schleife, und immer dann werde ich in die vergangenheit zurück geworfen. ich sehe zwei filme beim docaviv, beide verknüpft mit dem 7. oktober. ich würde gern mehr und andere filme sehen. aber es ist teuer und ein bisschen fehlen mir auch die nerven, für andere themen. im kino weinen ich und viele andere. beide male. der schmerz ist so schnell zu reaktivieren, auch wenn er nicht mehr der offensichtlichste begleiter ist. beim ersten film ist die familie cunio da und beim rausgehen laufe ich an yardan bibas vorbei. es gibt eine merkwürdige dankbarkeit, sie sehen zu dürfen. was für ein glück, ich denke, was für ein verdammtes glück, sie sehen zu können. ariel cunio ist nicht da und niemand erwähnt ihn. eine weitere leere und sie freakt mich seit tagen aus.

mir fällt erst hier auf, dass es neue filme und dokumentationen gibt: saturday october 7; 12 hours in october; rita. beim rumsuchen finde ich noch viel mehr. die neue staffel fauda erscheint und ich will sie sehen und ich habe so krass angst sie zu sehen.

alles ist wieder näher und wenn ich ehrlich wäre, tut es mir gut, dass alles wieder näher ist und ich darin wieder sein kann.

vor ein paar tagen gab es berichte über einen terroristen, der gestanden hat, die leiche von Oron Shaul mehr als zehn jahre in einem kühlschrank aufbewahrt zu haben. der damals 20jährige soldat war 2014 in der shejaiya nachbarschaft von gaza city ermordet und anschließend verschleppt worden. ein information der idf übergab ihn im januar 2025 an israel. und im kibbutz azza wurden knochensplitter gefunden, von denen man hoffte, sie würden Niril Zini gehören, der am 7. oktober mit seiner freundin Niv Raviv dort ermordet worden war. die terroristen hatten seinen kopf abgetrennt, der seitdem verschollen ist. ein paar tage später stellt sich heraus, dass die knochen zu einem terroristen gehören.