hinterher denkt man, also in dem fall ich, vermutlich immer, man hat es schon vorher gewusst. dass schon vorher irgendwas merkwürdig war, in der luft lag, mich nervös und für eine schöne zeit in jerusalem zu lustlos gemacht hat. vermutlich stimmt es nicht, aber geschichten sind manchmal einbildungen und so eine sache. jedenfalls gab es sonntag nacht alarm und raketen aus dem iran und aus dem yemen und jetzt wird man manchmal gefragt, was man in dem 13-stunden-krieg gemacht hat. weil es gab einen komischen effekt mit adrenalien und dem gedanken, dass es jetzt also wieder losgeht und dann blieb das losgehen aber aus, vorerst jedenfalls. am nächsten tag war ich kaffee trinken und mit mir nur noch eine frau und insgesamt war es merkwürdig still. alle waren so müde. silja und ich haben nachts viel geschrieben und edina sagte, das sie von einem konzert kam und nicht anhalten konnte, weil sie sich ja eh nicht auf den boden legen kann.
umgezogen in die neue wohnung und es gefällt mir besser als ich dachte. überhaupt hat sich erst in den letzten tagen dieses gefühl von glück eingestellt, hier zu sein und die dinge aufsaugen zu können.
heute waren wir in einer ausstellung zu design im eretz israel museum und sehen darin die installation flags earings von Rakefet Kenaan, deren ausgangspunkt die proteste gegen die justizreform war und die dann den 7. oktober und alles was kam abbildete und sie hat uns rausgerissen und alles was danach kam, blieb dahinter zurück, egal wie gut oder schön es war. spätere entdeckte ich in einer kleinteiligen keramikarbeit von Fugi Naim noch eine der bring-them-home-ketten und eine schleife und edina sagte: wir suchen jetzt nach den formen, um das, was passierte zu erinnern.
ich sammle die kleinen zeichen, die übrig geblieben sind. ich besuche den leeren platz in jerusalem und kann nicht fassen, dass man das nicht mehr vorhandensein von etwas so deutlich sehen kann.