20260808, nachts

wenn ich in israel wäre, wäre ich gestern nach jerusalem gefahren. ich hätte mir zu viele gedanken gemacht, ob und wie ich zurückkomme und es hätte mich gestresst. vielleicht hätte ich endlich mal herausgefunden, wo diese taxis losfahren oder vielleicht hätte ich mir ein hotelzimmer genommen, um abends noch in sira zu gehen und heute einen kaffee im basimta zu trinken. das hätte mir vermutlich gefallen. ich wäre nach jerusalem gefahren, um zu einer gedenkfeier im gemeindezentrum in baka zu gehen, weil nach hebräischem kalender die zweite yahrzeit ist für Hersh Goldberg-Polin, und für Almog Sarusi, Carmel Gat, Eden Yerushalmi, Alex Lubanov und Ori Danino. ich hätte Rachel Goldberg-Polin sprechen gehört und mir ihre rede nicht sieben mal bei instagram ansehen müssen. hier hatte ich keinen ort, an den ich gehen konnte und hier gibt es nicht einmal jemanden für mich, der:die auch nur daran denkt. seit einer weil fühlt es sich an, als verdichten sich die erinnerungen. vor ein paar tagen hätte Ariel Bibas sieben jahre alt werden sollen, in drei wochen haben wir die yahrzeit nach gregorianischem kalender, dann sukkot/simchat torah, dann 7. oktober.

ich beginne die samstage wieder mehr zu fürchten. ich weiß nicht, ob es ist, weil ich zu lange hier in deutschland bin und zu viel zeit habe für gedanken, ob es daran liegt, dass der 7. oktober näher kommt oder ob es einfach nur ein nun eingebauter bug ist, der mal mehr präsenter ist mal weniger. vor ein paar tage habe ich zu jemandem gesagt, ich habe so viele male den 13. februar überlebt, ich sollte es können. aber es gibt vermutlich doch keine übung darin und jedes jahr fange ich von neuem an, nun an einem anderen tag und vor einem anderen hintergrund.

ich muss aufhören, nach untersuchungen in krankenhäusern pizza zu essen. es ist ein schlechtes omen für das, was kommt. wenn es zweimal passiert, ist es eine regel. ich merke, wie einsam ich bin. anderes einsam, nicht das aus den erfahrungen oder aus den ereignissen. sondern das, das daraus resultiert, nicht gesehen zu werden, nicht gemocht zu werden, keine prorität zu haben. und ich merke auch, wie das in dieser form in der regel keine rolle (mehr) spielt. aber eben jetzt. wenn man angst hat. wenn man nicht weiß, was man tun soll. wenn man jemanden braucht, der:die einfach da wäre und zuhört und es gut macht. ich weiß, ich könnte bitten. mich melden und um aufmerksamkeit bitten, um da sein bitten und ums zuhören bitten. aber ich will das nicht müssen. und ich will das nicht müssen sollen. mir vor ein paar stunden vorgestellt, wie es aussehen würde, wenn alle versuchen, mein wochenende zu rekonstruieren. was da für eine schreckliche, erbärmliche geschichte rauskäme.

vor ein paar tagen wurde Bar Bechor Asraf auf einem friedhof neben dem grab seiner freundin Liron Barda gefunden. er hat sich das leben genommen. Liron hatte am 6/7. Oktober auf dem nova-festival gearbeitet und die bars geleitet. während des überfalls der terroristen blieb sie vor ort, versorgte verletzte und rettete mehreren mneschen das leben, bevor sie selbst ermordet wurde.