ich lese eine übersetzung von j.s text für unsere ausstellung und ich glaube, ich bin zum ersten mal gezwungen, ihn wirklich durchzulesen, und mir nicht zu viel zeit dabei zu lassen. ich merke erst jetzt, wie weit er in die jüngere vergangenheit reicht und dann fällt mir auf, wie ich die dinge im kopf kaum in eine beziehung bekomme. dass die rückkehr der ermordeten Bibas-kinder, das erscheinen des buches, und die freilassung der noch lebenden geiseln nur jeweils wenige monate hintereinander stattfanden, macht keinen sinn in meinem kopf. in dem immer noch chaos ist, sich diese ganzen kleinen großen ereignisse, emotionen, abläufe, entwichlungen nicht aufreihen, sondern knäule bilden. seit einigen tagen verfolgen mich die furchtbaren videos von Rom Braslavski und Eviatar David, sie sind plötzlich in meinem kopf aufgetaucht, so als hätte sich mein körper erinnert, dass sich die tage nähern, an dem hamas sie ausgestrahlt hat. und ich denke immer wieder an den moment, als wir zu der demonstration in london kamen und merke, dass dieser moment das ist, woran ich mich von dieser reise vor allem erinnere.
ich habe einen flug gebucht, aber jetzt machen habil.-verpflichtungen meine entscheidungen schon wieder zunichte, auch wenn ich noch nicht einsehe, dass ich mich besser beugen sollte. ich bin sehr viel sehr müde und ich kann sehr wenig gut denken. ich vermisse tel aviv, aber manchmal denke ich, ich vermisse nur die, die ich in tel aviv bin. vielleicht aber auch alles. meine überlegung, am 7. oktober in aarhus zu sein und james turrells installation anzusehen, lasse ich sofort fallen, als a.s reaktion ist, was für eine besonders gute idee es doch sei, ausgerechnet nach dänemark zu fahren an diesem tag. ich merke auch, dass ich angst habe, irgendwo allein zu sein und dass ich kein ort kenne, an den ich kann.
ich kann nicht schlafen gehen, weil ich angst habe, dass die angriffe auf israel wieder beginnen. ich weiß nicht mehr, an welchem punkt ich übertreibe und an welchem vorahnungen bestand haben werden. ich habe vielleicht auch nur eine irrational große angst entwickelt, wach zu werden und alarme auf meinem telefon zu sehen.
ich wünsche mir, etwas schönes. ich bin wie ein kind, dass denkt, dass ihm das zustünde.