ich muss aufpassen. ich merke, wie sich in den letzten 25 monaten zugehörigkeiten und (neue) brüche ergeben haben und wie mein dazwischen ein anderes geworden ist. gefühle, verbindungen müssen neu justiert werden. ich bemerke, und s. bestätigt es, dass ich oft ‚wir‘ sage, wenn ich über erfahrungen in israel spreche. etwas an einem ort erlebt zu haben, überlebenden und familienangehörigen zu oft zugehört zu haben, videos zu oft gesehen zu haben, macht mich nicht zu einem teil. und nur weil es sich für mich so anfühlt, fliege ich nicht ‚zurück‘ nach tel aviv. wie sehr die dinge verschwommen wurden, merke ich erst jetzt und erst langsam. ich kann wieder ordnungen sehen in deutschland, menschen schrieben gute dinge und veranstalten kluge tagungen. ich merke, dass ich nicht allein bin, aber auch, dass ihre realität nicht meine erfasst. vor ein paar tagen spreche mit einer frau, die zufällig im september in israel war und sie spricht über ihre eindrücke und gedanken, nach mehr als zwei jahren zurück zu sein. aber ich kann mich auch da nicht finden. ich weiß, ich müsste anknüpfen können, aber es gelingt mir nicht. ich denke nur, wie arrogant bist du, mit mir auf diese weise über deine kurzen momente in einer zeit zu sprechen, in der sich wenigstens einiges aufgelöst hat. (und dabei nicht mal zu wissen, dass noch drei geiseln festgehalten werden) wie kannst du über die schönheit eines ausstellungsbesuches in tel aviv sprechen aber nicht darüber, dass es seit 2 jahren so viel kraft kostet, in eine ausstellung zu gehen? wie kannst du die leere der räume nicht erkennen, die abwesenheit, die merkwürdige stille, das alleinsein.
dass es ein gegenteil gibt, verstehe ich erst, als j. in köln ist. nicht nur, weil wir zeiten geteilt haben, die man anderen schwer erklären kann, sondern auch weil wir wissen, worüber wir reden über die zeiten, die wir nicht geteilt haben. weil wir uns zu dingen und gedanken austauschen können, für die ein sich etabliertes öffentliches und manchmal auch ein privates sprechen keine möglichkeiten bietet. es war nicht nur komisch, das zu bemerken und zu verstehen, sondern auch erleichternd. oder so. irgendwie spielt dann dabei auch wieder der anfang dieses posts eine rolle.
heute abend findet möglicherweise die letzte kundgebung für die geiseln statt. das forum stellt seine arbeit ein, gibt seine räume auf, in jerusalem wird morgen das zelt abgebaut. ich vermute, auch in tlv werden weite teile der platzgestaltungen verschwinden, wenn nicht gleich dann nach und nach. zwei ermordete geiseln sind noch in gaza, Ran Gvili und Sudthisak Rinthalak. die eltern von Ran Gvili haben viel gesprochen in den letzten tagen. ich wünschte mir wirklich so sehr, es wäre nicht an diesen punkt gekommen. ich stelle mir vor, wie ihre angst noch mal eine andere ist. und denke, dass es vermutlich dann doch einen unterschied macht, wenn einem keine zehntausenden menschen mehr symbolisch sagen, dass man nicht allein sei. es sollte ihnen nicht angetan werden. wenigstens das nicht auch noch. ich verstehe, dass die arbeit in dieser intensität nicht weitergehen kann. aber ich verstehe nicht, ob und wie wir uns nun da reingewöhnen sollen / müssen. und ich weiß schon wieder zu viel über die situation der überlebenden.
letzte woche TATTOOED 4 LIFE und THE CHILDREN OF 7/10 in den hackischen höfen gesehen. beim reingehen ein antisemitischer mob vor dem eingang, erst beim rausgehen ein großes plakat mit dem bild von a. entdeckt. bruchzeiten von Marina Chernivsky zu ende gelesen, 8. oktober von Eva Illouz angefangen aber ein bisschen gescheitert weil ich offenbar nicht so viel weiss wie ich immer denke. oder so. mein interview mit mena-watch ist erschienen. die veranstaltung in köln war nicht gut besucht, aber von guten besucht. was vielleicht manchmal reicht. vielleicht stirbt mein vater. vielleicht ist das nebenprodukt von verweigern und ausblenden, dass man dann nicht weiter weiss wenn so momente in aussicht stehen und man also ich nun gar nicht weiß, was ich will oder wollen soll. und dabei festgestellt, dass ich nicht weiß, mit wem ich darüber reden soll oder kann. es bringt zumindest im kopf verstörend viele facetten mit sich.