20260303, abends

es ist anstrengend und ich werde kein fan von los angeles. aber ich denke immer wieder, wie gern ich reise, wie gern ich unterwegs bin, wie gern ich mich in neue räume finde, wie es mir gefällt, plötzlich straßen zuordnen zu können, buslinen und -stationen, gegenden, alltag zu organisieren, wie ich denke: ach, diese vielen zelte von obdachlosen standen doch aber letzte woche noch nicht hier. ich habe noch kein lieblings-cafe gefunden und vielleicht wird das auch nicht mehr passieren. und überhaupt habe ich noch keinen essensort entdeckt, bei dem ich mal dachte, dass sich die investition gelohnt hat. weil alles essen ist hier ernsthafte investition. nur eben nicht in etwas tolles. aber ich habe herausgefunden, dass der kaffee-wagen im getty schon ab 8 uhr offen ist und man dann da sitzen kann, fast allein und mit blick über die stadt am morgen. ich habe auch herausgefunden, dass es einen eingang für menschen mit karte gibt und dass da fast immer ein shuttle wartet, das einen die letzten meter “nach oben” fährt, auch wenn man ganz allein kommt. ich mache bekanntschaften im archiv und ich mache bekanntschaften auf dem flohmarkt. diese art, bei der man erzählt, warum man hier ist und dass man gerade das schindler house besucht hat und das gegenüber dann erzählt, dass er bei einer dokumentation über dessen architekten – rudolph schindler – mitgearbeitet hat. und dann gibt es so eine weile, in der ich die stadt sehr mag. weil man offenbar wirklich immer menschen trifft, die mal was mit film gemacht haben, die 80-jährige frau eines morgens im shuttle zum beispiel, die jetzt im getty volontiert und ihr leben mit den kostümen in filmproduktionen verbracht hat. aber ich, die schnell immer zu-hause ist, wird hier nicht richtig heimisch. und trotzdem denke ich schon mit unbehaglichem widerwillen, dass die zeit zu ende geht. das diese art von sein wieder zu ende geht. und dass es vielleicht doch etwas zu finden gibt, in dem ich mich finden kann. aber dass es mir nicht gelingt, weil die stadt so groß ist, weil man allein so orte nicht findet, weil es etws braucht, dass ich nicht mitbringe.

freitag abend im museum hammer gewesen, die zeitgenössische kunst zeigen. irgendwas hat mich irritiert, bis mir auffiel, dass es gar nichts zu sehen gibt, das 7.-oktober-verknüpft ist. erst gedacht, na ist ja auch nicht israel, und dann die leerstellen, dass es hier eben entweder keinen raum gibt für künstler:innen, die sich damit beschäftigen und dass es im denken der meisten keine spuren hinterlassen hat. mich gelangweilt. und fremd gefühlt. dann stundenlang mit alex telefoniert. als wir auflegen, hat der krieg begonnen. ich hatte nachmittags schon kurz geweint, nachdem ich mit sígal gesprochen hatte und die anspannung sich plötzlich durch meinen körper zerrte. jetzt viel alarm. samstag schlägt eine rakete ein und ich weiß, wer alles in der nachbarschaft wohnt. jmd. schreibt, dass es das cafe, dass wir mochten, nicht mehr gibt, jmd. anderes, dass die fenster in seiner wohnung kaputt sind, eine freundin schickt ein video von den verwüsteten räumen ihres hauses. ich streite mit einer 80-jährigen, die kaum englisch spricht über whatsapp, weil sie darauf beharrt, in ihrer wohnung zu bleiben, die keinen schutzraum hat. jmd. schreibt, dass es für mich viel schwerer ist, weil man natürlich verrückt wird, in der entfernung. tatsächlich schlafe ich. tatsächlich wache ich nur einmal in der nacht auf. es gibt eine komische gewöhnung an die vielen alarme auf dem telefon, daran, dass man regelmäßig nachfragt, grüße schickt, liebe, angebote für unterkunft zu sorgen, falls jmd. raus will. ich lese nicht mehr nachrichten als vor einer woche. auch deshalb nicht, weil mich das reden der alten männer über krieg nervt, weil ich ihnen nicht traue, weil mich kriegsziele nicht interessieren. wenn ich könnte, würde ich sofort hinfliegen. es braucht so wahnsinnig viel kraft, tatsächlich zu haben und ruhe zu spielen.

mit männern leben ausgelesen und sowieso ja nicht aber mit all dieser klarheit nun ganz und gar nicht wissen, wie das noch gehen soll, mit männern leben, die erbrachten verdrängungsleistungen sind aufgegeben, endlich. wie also das bewusst-haben austricksen? und noch etwas macht das buch: Manon Garcia schreibt immer wieder und besonders am ende nochmal ausführlicher, wie die anwesenheit in dem gericht, die beschäftigung mit den taten es ihr verunmöglicht, in ihren bisherigen umgebung einfach zu sein, wie müde sie ist, immer wieder das gleiche zu erklären, wie der zugang zum alltag schwindet und ich fühle es so sehr. anderes thema, gleicher effekt. kurz nicht allein sein mit den erfahrungen.