20260221, morgens

letztlich weiss ich es einfach sehr zu schätzen, an orten zu leben, in denen auch fremde einen grüßen, nur weil man den gleichen coffeeshop besucht. aber auch schon geweint, weil es so umständlich ist, jeden tag ins getty zu kommen. mein schlafrhythmus hat sich verschoben, was allerdings vorteile hat, weil früh aufstehen, coffeeshop und eine stunde privates schreiben vor archiv mich irrational glücklich machen. überhaupt viele gefühle: nach all dem stress der letzten wochen und der unsicherheiten, ob überhaupt fliegen, habe ich erst jetzt gemerkt, wie besonders, wie aufregend, wie einzigartig und was für ein glück das ist. mehrmals kurz und manchmal länger high gewesen davon. und manchmal wenn ich durch die stadt fahre, und es durch diese ganze soziale-gedächtnis-sache so vertraut ist und dann plötzlich so abgefahren, weil es wirklichkeit ist und ich darin, dass ist das strange und dann aufregend und dann richtig gut. hinzu kommen: allein-sein. ich kenne hier einfach niemanden und bekomme es natürlich auch nicht anders hin. was bedeutet, dass alles nur für mich und mit mir stattfindet. mein kopf räumt sich ein bisschen auf, auch durch die regelmäßigkeit und wiederkehr dessen, was ich tun muss. dass ich selbst früh wach werde, hilft mir beim aufstehen und den tag anfangen. es macht auch, dass ich angst habe, es wieder zu verlieren, weil wenn das nur mit wecker geht, dann wird es emotional kippen. archivarbeit ist anstrengend. auch für meinen körper. das weiß ich natürlich schon vorher, aber das macht es nicht besser. es passiert viel im kopf. und ideen für bisher drei neue bücher. zu wenig zeit, das nebenbei besser zu denken und zu ordnen. die menschen wirken sehr hell, sehr entspannt, sehr brav, irgendwie sieht es immer so aus, als wären alle im urlaub (dieser eindruck vom ankunftswochende trägt offensichtlich). alles nicht sehr meins. irritierend ist, wie leer es ist. hier auf den straßen und am strand, aber auch zum beispiel im getty und auf den wegen, die ich dorthin gehe/fahre. das meer ist nur zehn minuten, aber nach sieben stunden im archiv und mindestens drei stunden öffentlicher nahverkehr könnten es auch zehn stunden sein. alles ist wahnsinnig teuer. supermärkte sind der hammer. aber ich habe immer den langen moment, wo ich einfach wieder rausgehen möchte wegen überforderung und nicht entscheiden können. es gibt dinge, die so schön sind. busfahrer:innen zum beispiel. nicht nur einfach freundlich, sondern aufmerksam. mehr als einmal einfach durchgewunken worden. immer achten sie auf die schwachen, fragen menschen mit behinderungen an den haltestellen, wohin sie wollen und ob mit ihrem bus. warten geduldig, bis alle sitzen oder bis alle ausgestiegen sind. nehmen obdachlose mit, bitten sie nur darum, sich zu benehmen. grundsätzlich die angst, nicht genug zu machen, zu sehen, zu erfahren. höre schon jetzt, dass mich leute fragen, wie denn die stimmung ist und ich werde es nicht beantworten können. weil zur hölle ich ausser mit dem taxifahrer vor einer woche mit niemandem gesprochen habe. hinzu kommen die tipps wo ich unbedingt hingehen soll. drei stunden fahrzeit enfernt, total uninteressant für mich und/oder mind. 150 euro eintritt. auch im anderer menschen wünsche aufsuchen bin ich eine enttäuschung. aber ich will mich nicht beschweren.

vor zwei wochen ist ein interview mit ariel cunio und arbel yehudi veröffentlicht worden. ich lese danach irgendwo, dass alles, was wir gehofft haben, dass es ihr nicht passiert ist, ihr passiert ist. mirna funk balagan angefangen. es nicht nur weggelegt, sondern entschieden, es hier zurückzulassen. bestimmt ungerecht zu sagen nach 42 seiten, aber nicht nur: was für ein albernes buch, sondern auch: warum schreibt sie es so lächerlich. jetzt: Manon Garcia: mit männern leben. hätte ein lektorat gebraucht, sollte nicht das erste sein, was man zu einem buch denkt. besonders nicht zu so einem buch. das denken erweitern. strukturen immer besser verstehen. die wahrnehmung radikalisieren. was hier alles manchmal nur in 5-seiten-lesen-schritten geht. auf der rückseite steht: “Feministinnen wird oft vorgeworfen, sie würden Männer hassen. Manon Garcia dreht den Spieß um: Was wäre, wenn es die Männer wären, die Frauen nicht mögen?” und ich komme einfach nicht darüber hinweg, dass da “nicht mögen” steht. denke seit tagen darüber nach, was das bedeuten soll. warum da nicht hassen steht. es geht doch wohl nicht darum, dass sie uns einfach nicht leiden können. “Letter for David” lief auf der berlinale, nun mit einem ende. annika schickt mir bilder und ich muss weinen. stranger gedanke, in los angeles zu sitzen und lieber dabei gewesen zu sein. berlinale ansonsten die mittlerweile üblichen elemente einer shitshow der kulturellen. verzweifle zunehmend, wenn menschen vor mir sitzend oder stehend sagen, dass es nun ja alles wieder ruhiger geworden ist. womit sie besser meinen. für sie. weil sie irgendwie alles einfach ignorieren können.