2ß260112, nachts auf dem flughafen

ich habe keine nacht durchgeschlafen, fiel mir gestern abend auf. und ich wüsste nicht zu sagen, warum.

jmd. sagt, dass sie durch den krieg so viele finanzielle einbußen hat, dass sie seit august ihre miete nicht bezahlen kann. jmd. anderes sagt, dass er so viel wut auf alles und jede:n hat und einfach nicht weiß, wie er damit wieder aufhören soll. jmd. weiteres sagt, dass sie sich obwohl Ran Gvili nach wie vor nicht zurück in israel ist, die haare doch wieder schneiden ließ und deshalb jetzt ein schlechtes gewissen hat. und dass sie überhaupt nicht weiß, wie das alles weitergehen soll, all der schmerz, all der verlust. und dass sie sich schämt, dass es ihr schlecht geht, weil ihr im vergleich ja gar nichts schlimmes passiert ist. ich lese, dass 32 prozent der israelis angeben, eine therapie zu brauchen. ich werde immer wieder gefragt, warum ich nicht in tlv lebe und meine erklärungen klingen mir einstudiert. und ich werde permanent gefragt, ob ich finde, dass etwas anders ist. dass es ist, wie in einer pause zu leben, sage ich, dass es ein warten ist auf den nächsten alarm, den nächsten krieg. und dass man das anders sein erst versteht, wenn man mit menschen spricht. weil wir sitzen in den bars, cafes und restaurants wie wir es immer tun. ich habe einen irrationalen hass entwickelt auf deutsche, die mehr als zwei jahre nichts gesagt haben und jetzt nach tel aviv kommen und durch die straßen tänzeln und erzählen, wie normal alles ist. ich kann sehen, dass andere das brauchen, mich widert es an. aber ich weiß nicht, ob ich ein anrecht auf diese gefühle habe. ich höre zum ersten mal aus meinem umfeld, dass menschen das land verlassen wollen. ich höre auch, dass sie nicht wissen, wohin. und ich höre, dass menschen das land nicht mehr verlassen wollen, nicht nur, weil das geld fehlt, sondern weil es unvorstellbar ist. und weil sie nicht wissen, wohin. es liegt zu viel verzweiflung in den kleinen dingen. es gibt kein sabich zu kaufen, ohne auf kleinen aufklebern in die lachenden gesichter nun toter junger männer und frauen zu sehen. Ran Gvili ist nach wie vor nicht zurück. immer wieder spricht jemand von der angst, dass er der nächste Ron Arad ist. Ziv Abud und Eliya Cohen haben sich verlobt, Matan Zangauker und Ilana Gritzewsky haben sich verlobt. Romi Gonan gibt ein langes interview und spricht über vergewaltigungen. Elkana Bohbot gibt ein interview. er sieht furchtbar aus. Rom Braslavski war in italien.